01 Grundlagen

Grundlagen (Basics)

Kernbegriffe, Optionstypen und Auszahlungsstruktur – kompakt für Fortgeschrittene.

Was ist eine Option? (Option Contract)

Eine Option ist ein derivatives Finanzinstrument (derivative), das dem Käufer (buyer / holder) das Recht – aber nicht die Pflicht – einräumt, einen Basiswert (underlying asset) zu einem vorher festgelegten Preis (strike price) bis zu oder an einem bestimmten Datum (expiration date) zu kaufen oder zu verkaufen.

Der Verkäufer (seller / writer) übernimmt im Gegenzug die Pflicht, bei Ausübung durch den Käufer zu liefern bzw. abzunehmen. Als Kompensation für diese Pflicht erhält er die Prämie (premium).

Standardkontraktgröße: 1 Optionskontrakt (contract) umfasst typischerweise 100 Aktien (shares) des Basiswerts. Eine Prämie von 2,50 $ kostet also tatsächlich 2,50 × 100 = 250 $ pro Kontrakt.

Call vs. Put

Merkmal Call (Call Option) Put (Put Option)
Recht des Käufers Basiswert kaufen Basiswert verkaufen
Käufer profitiert bei … Steigendem Kurs ↑ Fallendem Kurs ↓
Richtungserwartung Käufer Bullish 📈 Bearish 📉
Käufer zahlt Prämie (premium) Prämie (premium)
Max. Verlust Käufer Bezahlte Prämie Bezahlte Prämie
Max. Gewinn Käufer Theoretisch unbegrenzt Strike − Prämie (wenn Kurs → 0)
Pflicht Verkäufer bei Ausübung Aktie liefern (deliver shares) Aktie abnehmen (accept shares)
Positionsbezeichnung Long Long Call Long Put
Positionsbezeichnung Short Short Call / Naked Call Short Put / Cash Secured Put

Kernbegriffe (Key Terms)

Strike Price (Ausübungspreis)

Der festgelegte Kurs, zu dem der Basiswert bei Ausübung gekauft oder verkauft wird. Bleibt über die gesamte Laufzeit konstant.

Expiration Date (Ablaufdatum)

Datum, an dem die Option verfällt. Nach Ablauf ist eine unausgeübte Option wertlos. US-Aktienoptionen verfallen i.d.R. freitags.

Premium (Prämie)

Der Preis der Option pro Aktie. Wird an Börsen in Dollar/Euro notiert; Gesamtkosten = Prämie × 100 (Kontraktgröße).

Days to Expiration (DTE)

Verbleibende Handelstage bis zum Verfall. Zentrale Variable für Theta Decay; beeinflusst maßgeblich den Zeitwert.

Open Interest (Offene Kontrakte)

Anzahl offener (nicht geschlossener) Kontrakte. Hoher OI = hohe Liquidität. Wichtig bei der Wahl des Strikes.

Bid / Ask Spread

Differenz zwischen Kauf- (ask) und Verkaufspreis (bid). Schmaler Spread = liquider Markt. Exekution idealerweise an der Mitte (mid price).

Optionslaufzeiten (Expiration Types)

TypLaufzeitBesonderheit
Weekly Options 1–4 Wochen Hoher Theta Decay, für kurzfristige Positionen
Monthly Options ~30 Tage Verfall am 3. Freitag jedes Monats; meistliquide
Quarterly Options ~90 Tage Bevorzugt für Spread-Strategien mit definiertem Risiko
LEAPS (Long-Term Equity Anticipation Securities) > 1 Jahr Niedrigeres Theta, als Aktienersatz (synthetic stock) nutzbar

Moneyness

Moneyness beschreibt das Verhältnis zwischen aktuellem Kurs des Basiswerts und dem Strike Price. Sie bestimmt, ob eine Option intrinsischen Wert hat.

Begriff Abk. Call-Bedingung Put-Bedingung Intrinsischer Wert
In the Money ITM Kurs > Strike Kurs < Strike Vorhanden
At the Money ATM Kurs ≈ Strike Kurs ≈ Strike Minimal / null
Out of the Money OTM Kurs < Strike Kurs > Strike Keiner
Deep In the Money Deep ITM Kurs ≫ Strike Kurs ≪ Strike Hoch, Delta ≈ 1
Delta als Moneyness-Proxy: Das Delta einer Option (Δ) wird häufig als Näherungswert für die Moneyness verwendet. ATM ≈ Δ 0.50, Deep ITM ≈ Δ 0.90+, weit OTM ≈ Δ 0.10.

Optionspreis (Option Pricing)

Die Prämie einer Option setzt sich aus zwei Komponenten zusammen:

Prämie (Premium) = Intrinsischer Wert (Intrinsic Value) + Zeitwert (Extrinsic / Time Value)

Intrinsischer Wert (Intrinsic Value)

Der „echte" Wert der Option – wie weit sie im Geld ist.

Call: max(0, S − K)
Put:  max(0, K − S)

S = aktueller Kurs, K = Strike Price
OTM-Optionen haben stets intrinsischen Wert = 0.

Zeitwert (Extrinsic / Time Value)

Der verbleibende Teil der Prämie – enthält Zeitwertkomponente und Volatilitätsprämie (volatility premium).

  • Sinkt mit abnehmender Restlaufzeit → Theta Decay
  • Steigt mit hoher Implied Volatility (IV)
  • ATM-Optionen haben den höchsten Zeitwert

Einflussfaktoren auf die Prämie (Pricing Factors)

Faktor Steigt → Call-Prämie Steigt → Put-Prämie Greek
Aktienkurs (S) Steigt ↑ Fällt ↓ Delta (Δ)
Implizite Volatilität (IV) Steigt ↑ Steigt ↑ Vega (V)
Restlaufzeit (DTE) Steigt ↑ Steigt ↑ Theta (Θ)
Zinssatz (risk-free rate) Steigt ↑ Fällt ↓ Rho (ρ)
Dividenden (Dividends) Fällt ↓ Steigt ↑ –

Optionstypen (Option Styles)

Merkmal Amerikanisch (American Style) Europäisch (European Style)
Ausübung (Exercise) Jederzeit bis Verfall möglich Nur am Verfallstag
Frühzeitige Ausübung (Early Assignment) Möglich (selten sinnvoll bei OTM) Nicht möglich
Typische Märkte US-Aktienoptionen (AAPL, SPY, QQQ) Index-Optionen (SPX, RUT, VIX)
Cash Settlement Meist physische Lieferung Meist bar abgerechnet (cash settled)
Assignment-Risiko Vorhanden – v.a. bei tiefen ITM-Optionen vor Dividendentag Kein vorzeitiges Assignment
Frühzeitige Ausübung bei Calls: Praktisch nur sinnvoll, wenn eine Dividende bevorsteht und der Zeitwert der Option kleiner ist als die erwartete Dividende – sog. dividend capture. Shorts auf tiefe ITM-Calls vor dem ex-dividend date sind besonders assignment-gefährdet.

Rechte & Pflichten (Rights & Obligations)

Position Bezeichnung Zahlt / Erhält Recht / Pflicht Max. Verlust Max. Gewinn
Long Call Buyer / Holder Zahlt Prämie Recht zu kaufen Prämie Unbegrenzt
Short Call Seller / Writer Erhält Prämie Pflicht zu liefern Unbegrenzt Prämie
Long Put Buyer / Holder Zahlt Prämie Recht zu verkaufen Prämie Strike − Prämie
Short Put Seller / Writer Erhält Prämie Pflicht abzunehmen Strike − Prämie Prämie
Assignment-Risiko (Assignment Risk): Der Verkäufer (writer) kann jederzeit einer Ausübung zugewiesen werden (assigned). Bei American-style Optionen ist dies vor Verfall möglich. Die Broker teilen Assignments per Zufallsprinzip zu.

Auszahlungsdiagramme (Payoff Diagrams)

Payoff-Diagramme zeigen den Gewinn/Verlust (profit & loss / P&L) einer Option bei Verfall in Abhängigkeit vom Kurs des Basiswerts. Alle Diagramme zeigen den P&L nach Abzug der Prämie.

Long Call

Bullish · Recht zu kaufen · Prämie bezahlt

K (Strike) B/E –Prämie Profit ↑ unbegr. S → 0
Verlust (−Prämie)
Profit (unbegrenzt)

Long Put

Bearish · Recht zu verkaufen · Prämie bezahlt

K (Strike) B/E –Prämie K − Prämie S → 0
Profit (max = K − P)
Verlust (−Prämie)

Short Call (Naked / Covered)

Bearish / neutral · Pflicht zu liefern · Prämie erhalten

K (Strike) B/E +Prämie –∞ Verlust S → 0
Profit (max = Prämie)
Verlust (unbegrenzt)

Short Put (Cash Secured Put)

Bullish / neutral · Pflicht abzunehmen · Prämie erhalten

K (Strike) B/E +Prämie –(K − P) S → 0
Verlust (max = K − P)
Profit (max = Prämie)
Break-Even bei Verfall:
  • Long Call: B/E = Strike + Prämie
  • Long Put:  B/E = Strike − Prämie
  • Short Call: B/E = Strike + Prämie (= Verlustbeginn)
  • Short Put:  B/E = Strike − Prämie (= Verlustbeginn)
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