Supply & Demand
Angebots- und Nachfragezonen identifizieren, verfeinern und als Grundlage für präzise Einstiege nutzen.
Konzept & Theorie
Supply-and-Demand-Zonen (S&D Zones) sind Kursbereiche, in denen ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage entstanden ist. An diesen Stellen hat der Kurs mit starkem Momentum die Zone verlassen – was zeigt, dass dort entweder viele Käufer (Demand) oder viele Verkäufer (Supply) aktiv waren. Bei einer Rückkehr des Kurses ist eine erneute Reaktion wahrscheinlich.
Supply Zone (Angebots-Zone)
Bereich, von dem aus der Kurs stark nach unten gebrochen ist. Hier war/ist Angebot (Verkaufsdruck) dominant. Bei Rückkehr: Short-Reaktion wahrscheinlich.
Demand Zone (Nachfrage-Zone)
Bereich, von dem aus der Kurs stark nach oben gebrochen ist. Hier war/ist Nachfrage (Kaufdruck) dominant. Bei Rückkehr: Long-Reaktion wahrscheinlich.
Demand Zone (Nachfrage-Zone)
Eine Demand Zone entsteht an der Basis einer bullischen Impulsbewegung – also dort, von wo aus der Kurs zuletzt stark gestiegen ist. Die Zone markiert die letzte Konsolidierungsphase vor dem Aufwärtsimpuls.
Bildung einer Demand Zone
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Lage | Unterhalb des aktuellen Kurses; letzte Basis vor einem Aufwärtsimpuls |
| Identifikation | Finde den letzten Rücksetzer/Konsolidierung vor einer starken Aufwärtsbewegung |
| Obere Grenze | Höchster Kerzenkörper (Close) der Konsolidierungskerzen |
| Untere Grenze | Tiefster Kerzenkörper (Open) der Konsolidierungskerzen |
| Stärkeindikator | Je stärker der Aufwärtsimpuls aus der Zone, desto stärker die Zone |
Supply Zone (Angebots-Zone)
Eine Supply Zone entsteht an der Spitze einer bärischen Impulsbewegung – also dort, von wo aus der Kurs zuletzt stark gefallen ist. Die Zone markiert die letzte Konsolidierungsphase vor dem Abwärtsimpuls.
Zonen zeichnen (Drawing Zones)
Das korrekte Einzeichnen von S&D-Zonen ist eine der wichtigsten Fertigkeiten. Die Zone umfasst immer die Kerzen der Konsolidierungsphase vor dem Impuls – nicht den Impuls selbst.
| Schritt | Demand Zone | Supply Zone |
|---|---|---|
| 1 | Starke Aufwärtsbewegung identifizieren (mehrere Big Green oder Marubozu) | Starke Abwärtsbewegung identifizieren (mehrere Big Red oder Marubozu) |
| 2 | Zurückgehen zur Basis dieses Impulses (letzte Kerze vor dem Anstieg) | Zurückgehen zur Spitze dieses Impulses (letzte Kerze vor dem Fall) |
| 3 | Zone von Unterkante (Open/Low der Basiskerze) bis Oberkante (Close/High) | Zone von Unterkante (Close/Low) bis Oberkante (Open/High der Spitzenkerze) |
| 4 | Zone als Rechteck einzeichnen (grün) | Zone als Rechteck einzeichnen (rot) |
Zonen verfeinern (Zone Refinement)
Breit gezeichnete Zonen im höheren Timeframe können durch Zoomen in einen kleineren Timeframe präzisiert werden. So wird aus einer breiten Zone ein enger, handelbarer Bereich.
Top-Down-Ansatz
- Zone im Daily-Chart identifizieren
- In H4 zoomen: Welche Kerzen bilden die Basis des Impulses?
- In H1 zoomen: Engste Konsolidierung vor dem Impuls finden
- Diese engere Zone ist der eigentliche Entry-Bereich
Was bleibt konstant?
Die übergeordnete Zone bleibt als Referenz. Sie definiert den allgemeinen Bereich. Die verfeinerte Zone gibt den präzisen Entry-Bereich vor. Stop-Loss liegt immer außerhalb der übergeordneten Zone.
Zonen-Qualitätskriterien
| Kriterium | Stärker | Schwächer |
|---|---|---|
| Impuls aus der Zone | Stark, schnell, große Kerzen (BOS) | Langsam, kleine Kerzen, zögernd |
| Alter der Zone | Frisch (noch nicht berührt) | Alt (mehrfach berührt, ausgedünnt) |
| Timeframe der Zone | Höherer TF (Daily/H4) = mehr institutionelle Kraft | Niedrigerer TF (15m/5m) = schwächere Zone |
| Marktstruktur | Zone liegt im Trend (Long-Demand im Aufwärtstrend) | Zone gegen den Trend |
Invalide Zonen (Invalidated Zones)
Eine Zone verliert ihre Gültigkeit und wird gelöscht, wenn der Kurs sie klar durchbricht – also nicht nur kurz berührt, sondern mit einem Kerzenschlusskurs durch die Zone schließt.
Demand Zone invalidiert wenn …
- Kurs schließt deutlich unter der Demand Zone
- Großer roter Marubozu durch die Zone ohne Reaktion
- Zone wurde bereits 2–3× berührt und ausgedünnt
Supply Zone invalidiert wenn …
- Kurs schließt deutlich über der Supply Zone
- Großer grüner Marubozu durch die Zone ohne Reaktion
- Zone wurde bereits mehrfach berührt
Fibonacci 50 % (Fibonacci Retracement)
Das Fibonacci-Retracement ist ein Werkzeug, um potenzielle Rücksetzebenen innerhalb eines Impulses zu messen. Im S&D-Trading wird vor allem das 50 %-Level genutzt – es markiert die Mitte einer Impulsbewegung und liegt oft im Bereich der stärksten S&D-Zone.
Fibonacci-Level im Trading
| 23.6 % | Schwaches Retracement, starkes Momentum |
| 38.2 % | Moderater Rücksetzer, Trendfortsetzung |
| 50.0 % | Wichtigstes Level im S&D-Trading – oft Zonenmitte |
| 61.8 % | Goldenes Ratio (Golden Ratio) – tiefer Rücksetzer |
| 78.6 % | Sehr tiefer Rücksetzer, Trend gefährdet |
Anwendung im S&D-Kontext
- Impulsbewegung von Swing Low zu Swing High messen
- 50 %-Level berechnen lassen
- Liegt das 50 %-Level in einer S&D-Zone? → Hohe Konvergenz = stärkeres Setup
- Entry, Stop und Target definieren
Imbalance & Fair Value Gap (FVG)
Eine Imbalance (Ungleichgewicht) oder Fair Value Gap entsteht, wenn der Markt so schnell durch eine Preisspanne geht, dass kein beidseitiger Handel stattfand. Diese Lücken werden oft später „geschlossen".
Erkennung eines FVG
Ein FVG entsteht bei drei aufeinanderfolgenden Kerzen:
FVG (bärisch): High von Kerze 3 < Low von Kerze 1
→ Lücke zwischen Kerze 1 und Kerze 3 = Fair Value Gap
Bullischer FVG
Drei schnell steigende Kerzen. Die Spanne zwischen Hoch von Kerze 1 und Tief von Kerze 3 wurde nicht zweiseitig gehandelt. Der Kurs kehrt oft hierhin zurück, um den FVG zu „füllen" – günstige Long-Entry-Zone.
Bärischer FVG
Drei schnell fallende Kerzen. Die Spanne zwischen Tief von Kerze 1 und Hoch von Kerze 3 wurde nicht zweiseitig gehandelt. Rückkehr in diesen Bereich = Short-Entry-Zone.
Timeframe-Hierarchie bei S&D-Zonen
Nicht alle S&D-Zonen sind gleich. Die Stärke einer Zone hängt direkt vom Timeframe ab, auf dem sie entstanden ist.
| Timeframe der Zone | Stärke | Einsatz |
|---|---|---|
| Monthly / Weekly | Sehr stark – institutionelles Niveau | Makro-Trendrichtung, große Position-Trades |
| Daily | Stark – für Swing-Trades optimal | Primäre S&D-Zonen für die meisten Setups |
| H4 | Mittel – gute Intraday-Relevanz | Zonenverfeinerung, Entry-Optimierung |
| H1 | Mittel-schwach – kurzfristig relevant | Feinabstimmung Entry, kombiniert mit D1/H4 |
| 15m / 5m | Schwach – schnell invalidiert | Nur Scalping oder zusätzliche Bestätigung |
Stärke-Check: Beste Entrys an S&D-Zonen
Konvergenz maximieren
Das stärkste Setup entsteht, wenn mehrere Faktoren übereinstimmen:
- S&D-Zone im höheren TF (Daily+)
- 50 %-Fibonacci-Level liegt in der Zone
- Fair Value Gap liegt in der Zone
- Candlestick-Bestätigung (Hammer, Doji)
- Zone liegt im Einklang mit übergeordnetem Trend
Entry-Typen
- Limit-Order: Vorab an Zonenkante platzieren (aggressiver)
- Market-Order nach Bestätigung: Auf Kerzenbestätigung warten (konservativer)
- Stop-Order: Nach BOS-Bestätigung mit Stop-Buy einsteigen